Manuskript - Rede zum 25 jährigen Jubiläum des
SSV Sportschützenverein Ehringhausen 1972 e.V.


Liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden, liebe Gäste!

Wenn mindestens sieben Deutsche beisammen sind, so lautet ein Bonmot (eine geistreiche Redewendung), dann gründen sie einen Verein. Vor 25 Jahren war das in Ehringhausen der Fall, einige begeisterte Sportschützen hatten sich versammelt und bildeten die Grundlage für den Sportschützenverein Ehringhausen: Eine aktive Schießgruppe in der St. Jakobus Schützenbruderschaft. Sie wollten damit ihrem Hobby die formale Grundlage geben, die notwendig war, um den Sportbetrieb technisch, organisatorisch und wirtschaftlich langfristig zu sichern. Denn nur ein rechtsfähiger Verein erfüllt die Voraussetzungen, unter denen allein Gemeinden und Verbände Unterstützung gewähren.

Wenn ich an die damalige Zeit zurückdenke, kann ich mich nicht an ehrgeizige Pläne und hochfliegende Projekte erinnern. Wir wollten keinen stattlichen Verein auf die Beine stellen, der im gesellschaftlichen Leben unserer Gemeinde ein möglichst großes Ansehen genießen sollte. Wir wollten keinen großen, keinen bedeutenden, keinen erfolgreichen Verein. Alles, was wir vor 25 Jahren mit der Vereinsgründung beabsichtigten, waren die Festigung unserer Kameradschaft, die damals schon einige Jahre bestand, und die Verbesserung unserer Trainingsmöglichkeiten. Dazu brauchten wir aber unbedingt einen lokalen Fixpunkt in Form eines Vereinsheims und einer wettkampffähigen Schießanlage.

Als zusammen gewürfelter Haufen von Sportschützenbegeisterten waren wir keine zuverlässigen Gesprächspartner und gar keine möglichen Vertragspartner unserer Gemeinde, die uns ansonsten sehr viel Unterstützung angedeihen ließ. Als Verein konnten wir endlich eine Sportanlage pachten - zunächst als Mitpächter in Öchtringhausen - und uns damit langfristig Trainingsmöglichkeiten und die notwendige technische Ausrüstung sichern. Das erste KK-Gewehr war eine Spende unseres Mäzen und Gönners Klemens Schulte. Auch heute noch herzlichen Dank dafür. Schnell kamen wir zu einem Vereinslokal, in dem wir ungestört und kostengünstig Sitzungen abhalten, Vereinsabende und -feste veranstalten oder uns nur aus Spaß an der Freud treffen konnten.

Wir hatten mit der Vereinsgründung richtig gehandelt. Viele damals Anwesende schlossen sich dem Verein an. Die neue sportliche Heimat wirkte sich für unsere Gemeinschaft sehr segensreich aus: Die freundschaftlichen Bande wurden gefestigt und die sportlichen Leistungen verbesserten sich. Da einige von euch schon schmunzeln, will ich auch nicht verschweigen, dass der Wirt unseres Vereinslokals seit dieser Zeit nur noch mit strahlender Miene herumlief. Ich habe mir sagen lassen, dass es bei dem neuen Vereinswirt, der heute hier anwesend ist, nicht anders sein soll. Denn die Geselligkeit erhielt einen markanten Auftrieb.

Obwohl unsere Stimmung in der Anfangszeit blendend war, hatten wir durchaus auch unsere Sorgen. Denn trotz der großen Begeisterung, mit der wir bei der Sache waren, setzten uns die erheblichen äußeren Störungen hart zu: Ein Luftgewehrstand musste her, Gespräche mit Verbänden und Behörden waren regelmäßig zu führen, das sportliche und gesellschaftliche Vereinsleben musste organisiert und betreut werden, und - nicht zuletzt - wollten wir ja auch unseren Sport noch ausüben.

Wir haben aber keinen Augenblick daran gedacht, halbe Sachen zu machen. Wir haben damals einfach die Ärmel aufgekrempelt, noch ein bisschen mehr Geld für unser - uns ja sowieso liebes und teures Hobby - lockergemacht und auch noch den letzten Rest unserer Freizeit mit Vergnügen der schönen gemeinsamen Sache geschenkt.
Es war schließlich unser Verein!
Da Begeisterung ja bekanntlich ansteckt, und der Sportschützenverein durch sein attraktives Vereinsleben und beachtliche sportliche Leistungen seiner Mitglieder hervortrat, gewannen wir mit der Zeit in zunehmendem Maße neue Freunde. Die Zahl der Mitglieder wuchs erfreulich, und es gelang auch, etliche der Neuen für die Übernahme von Aufgaben und Funktionen zu gewinnen. Viele dieser Frauen und Männer der > zweiten Stunde< sind heute in wichtigen Positionen unseres Vereins sehr erfolgreich tätig und tragen damit maßgeblich zu seinem Gedeihen bei.

Unsere Situation veränderte sich im zweiten / dritten Jahr nach der Gründung. Heute muss man sagen: Unsere Situation verbesserte sich im zweiten / dritten Jahr nach der Gründung! Über die Ursachen der “Selbstständig Machung” will ich heute nicht näher eingehen. Vergessen und vergeben. Wir hatten uns etabliert und das Überleben des Sportschützenvereins war fürs erste gesichert. Unsere Kräfte konnten wir deshalb wieder stärker ins Training und in Wettkämpfe investieren.

Die sportlichen Erfolge waren entsprechend. Während wir in den ersten Vereinsjahren mit einer Vitrine zur Aufstellung der Pokale ausgekommen waren, zieren heute volle Regale und Schränke sowie die papierenen Zeugen unserer sportlichen Leistungen in Form von Urkunden unser Vereinsheim.

Der Sport aber soll die schönste Nebensache der Welt sein und auch bleiben. Wir haben immer darauf gesehen, dass unser Vereinsleben auch die menschliche Begegnung ermöglicht hat, dass Freundschaft entstand und gepflegt wurde. In unserer Satzung steht ja auch der Sport – so sehr wir ihn alle lieben – nicht als einziger Vereinszweck.

Heute können wir uns längst nicht mehr alle wie bei der Gründung des Vereins um einen einzigen Tisch herum versammeln. Wir brauchen, wenn alle Mitglieder zusammenkommen, einen Saal. Das ist auf der einen Seite natürlich sehr schön, weil es die Beliebtheit unseres Vereins ausweist. Auf der anderen Seite erschwert die große Mitgliederzahl natürlich die Kommunikation und führt zwangsläufig dazu, dass im Verein Untergruppen entstehen. Einigen Kameraden ist man eben näher als anderen – räumlich und gefühlsmäßig. Dennoch hat sich trotz der inzwischen erreichten Größe in unserem Verein ein sehr erfreuliches Gemeinschaftsgefühl erhalten. Ich finde das sehr wichtig, nicht nur, weil ich Freundschaft und Geselligkeit sehr schätze, sondern weil die Gemeinschaft jedem einzelnen Rückhalt und Geborgenheit unabhängig von seiner sportlichen Leistung oder anderen Verdiensten geben kann.

Nachdem die Aufbauzeit vorüber war, verlief unser Vereinsleben in ruhigeren Bahnen. Das ist zwar einfacher und bequemer, doch manchmal sehnte ich mich doch nach den Herausforderungen der Gründerzeit zurück. Wir haben damals zwar öfter über die Anforderungen, die an uns gestellt wurden, die Belastungen, denen wir ausgesetzt waren, und die Probleme, die sich uns in den Weg stellten, geflucht. Aber hinterher, wenn wir damit fertig geworden waren, fühlten wir uns immer so gut wie nach einem sportlichen Sieg.

Für die Zukunft sind wir technisch und wirtschaftlich gut gerüstet. Wir werden die Mitgliederzahl wahrscheinlich halten oder vielleicht ein wenig steigern. Und die sportlichen Leistungen zu steigern ist umso schwieriger, je höher sie schon sind. Unbedingt behalten müssen wir aber unseren Kameradschaftsgeist.

In unserer Gemeinde ist der Sportschützenverein inzwischen zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt geworden. Als Stätte sinnvoller Freizeitgestaltung ist er aus dem Leben von Ehringhausen heute nicht mehr wegzudenken. Aber auch als Stätte der menschlichen Begegnung, des Vergnügens und der Entspannung hat er sich einen beachtlichen Platz erobert.

Ich übertreibe gewiss nicht, wenn ich sage: Der Sportschützenverein ist für Ehringhausen eine Bereicherung.

Bei einem Jubiläum, wie wir es heute begehen können, stellt sich zunächst natürlich die gar nicht ganz leicht zu entscheidende Frage, ob es überhaupt, und wenn ja, in welchen Rahmen es gefeiert wird.

25 Jahre sind für einen Verein zweifellos ein beachtlicher Zeitraum, auch wenn es – hier wie anderswo – noch weit ältere Vereine gibt. 25 Jahre markieren außerdem ein > rundes Datum < dies, soweit mir bekannt ist – auch eine Generation entspricht.

Ich weiß, das ist kein weltbewegendes Ereignis, kein Jubiläum, das die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit auf sich ziehen würde. Wir jedoch, liebe Freunde der > ersten Stunde < sowie der > zweiten Stunde < wie auch jene, die in der Folgezeit zu uns gestoßen sind, dürfen den Ablauf der ersten 25 Jahre aber wohl mit Recht zum Anlass nehmen, aus dem Alltag mit all seinen Terminen und Verpflichtungen einmal auszubrechen und uns zu dieser Feier zusammenfinden.

Andererseits habe ich in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, dass man mit Feiern allgemein und insbesondere mit Feierlichkeiten dieser Art etwas zurückhaltender geworden ist. Die gilt jedenfalls für Vereine, die - wie wir - das Jubiläum nicht zum Anlass nehmen wollen, sich im hellsten Licht zu zeigen und mit der Tradition zu renommieren. Gemeinsam wollen wir gemäß unserer Art ohne Pomp, dafür aber umso herzlicher unser Fest feiern. Ich halte das, weil aus der Situation geboren, jetzt auch für richtig. Das Ereignis, um das es heute geht, eignet sich nun dazu, besinnlich, nicht jedoch laut zu werden. Zur Organisation und Ausführung darf ich hervorheben - weil er mir gar so gut gefällt - den farbenkräftigen, mit viel Geschmack und Geschick arrangierten Blumenschmuck hier und heute im Saal, der ganz wesentlich zur festlichen Atmosphäre beiträgt.

Danken darf auch ich unserem Tambour-Korps Ehringhausen, das unser Beisammensein musikalisch umrahmt. Wenn ich > umrahmt < sage, so ist das nicht ganz richtig. Denn zum einen ist unser Tambour-Korps für seine Könnerschaft weithin bekannt; zum anderen hat man sich bemüht unserem Jubiläum gerecht zu werden.

Am heutigen Tag feiern wir nicht nur eine 25 jährige erfolgreiche Vereinsgeschichte. Die Geschichte ist ja nichts anderes als die Folge von Taten, und Taten sind das Resultat von Entscheidungen; die aber werden von Menschen getroffen. Geschichte und schon gar Vereinsgeschichte macht sich nicht selbst oder entsteht aus geheimnisvollen Strömungen, sie wird von Menschen gemacht. Die Würdigung der Geschichte umfasst deshalb zwangsläufig immer auch
die Würdigung ihrer Urheber. Erfolgreiche Vereinsgeschichte ist das Resultat erfolgreicher Tätigkeit.

Damit bin ich bei einer Person angelangt, die über weite Strecken die Geschicke unseres Vereins verantwortlich geleitet hat:


„Sehr geehrter Herr Präsident — oder aus alter Freundschaft und Gewohnheit: Lieber Friedel,
du gehörst nicht zu den Menschen, die gern im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht oder anlässlich
größerer Veranstaltungen das Bad in der Menge genießt. Du hast über lange Jahre äußerst
erfolgreich aber stets ruhig und bescheiden abseits der Öffentlichkeit gewirkt. Angesichts eines
Jubiläums wie diesem scheint es aber angebracht, deine Leistung mehr ins Licht der Öffentlichkeit
zu rücken, denn sie verdient zweifellos Respekt und Anerkennung. Der heutige Festtag ist
für dich in erster Linie ein persönlicher Festtag, in zweiter Linie der unseres Vereins, dem du
aus kleinsten Anfängen heraus zu dem gemacht hast was er heute darstellt."


Wie an anderer Stelle meines Vortrages bereits erwähnt, war dieser Weg nicht immer vom Schicksal begünstigt. Allen Entscheidungsträgern in den vergangenen Jahren sei Dank ausgesprochen, alle zukünftigen Funktionsträger sei ein ebenso glückliches Händchen, in ihrem jeweiligen Ressort, beschert.

“Was aber währe ein Verein ohne seine Mitglieder? Ohne die Basis? Bestimmt ein toter Verein!" Ein Verein lebt durch seine Mitglieder, sie machen ihn zu dem, was er ist. Ich darf deshalb euch allen für das danken, was ihr für den SSV getan habt, insbesondere denen, die in ihren ehrenamtlichen Funktionen dafür gesorgt haben, dass wir sportlich erfolgreich waren, dass sich ein angenehmes Vereinsleben entwickeln konnte, dass der Betrieb reibungslos lief und dass die Kasse immer stimmte.

Ich danke aber auch all denen, die - ohne im Verein tätig geworden zu sein - unsere Arbeit tatkräftig unterstützt und das Wohl des Sportschützenvereins gefördert haben. Das der SSV das bleibt, was er in den vergangenen 25 Jahren geworden ist, daran müssen wir in Zukunft alle mitarbeiten. Jeder von uns muss seinen Beitrag leisten, dass unser Verein sportlich und gesellschaftlich attraktiv bleibt - nicht nur seinen finanziellen, sondern vor allem seinen persönlichen Beitrag. Sofern nicht andere Aufgaben und Tätigkeiten die Priorität erhalten haben. Aber ansprechbar sind alle geblieben und haben mit Rat und Tat nützliches geleistet, wenn es erforderlich war, wenn es erforderlich ist und wenn es erforderlich werden sollte.


Wenn wir alle weiterhin unser bestes tun, dann ist mir um die Zukunft des SSV, für unseren Sportschützenverein Ehringhausen 1972 e.V., nicht bange.
Ein Gründungsmitglied dankt für all das Gute, Schöne und Erfreuliche was er mit, und im Verein erleben durfte.


Ich wünsche dem heutigen Fest einen harmonischen Verlauf.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

(Samstag, 26. April 1997 von Werner Blecking)

Als ich dieser Tage gefragt wurde, ob ich einen Beitrag zum Thema ‚Wiedervereinigung’, resp. Fusion schreiben möchte, habe ich mit einer gewissen Erwartung zugestimmt. Und das wohl auch, da ich diesem Thema zurzeit etwas näher bin wie vermutlich noch nie vorher in meinem bewegten Vereinsleben.


Um meine Freude ein wenig verständlicher zu machen, zeige ich kurz meine Erinnerungen auf:
Allerdings wäre es von Nutzen, wenn man meine Festrede vom 26. April 1997, anlässlich unserer 25-Jahr-Feier im Saal der Gaststätte „Zur Linde“ miterlebt hätte, od. den obigen Text gelesen hat.


Kurzgefasst:
Im Jahre 1975 machten sich die „Sportschützen Ehringhausen“ selbstständig, d.h., der Verein bezeichnete sich von nun an "Sportschützenverein Ehringhausen 1972 e.V." und wurde in das Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen. War doch der Verein von 1972 bis 1975 eine eingegliederte, aktive ‚Schießgruppe’ in der St. Jakobus Schützenbruderschaft Ehringhausen. Es folgten einmalige Jahre, episch überliefert von unserem (leider) verstorbenen Sportsfreund Markus Salmen.


Allerlei Gründe führten in 2014 zu einem neuerlichen Anschluss an die Bruderschaft, fortan mit der Bezeichnung: „Sportschützenabteilung Ehringhausen“.
Man könnte auch sagen: „Wir sind wieder Zuhause!“


Ein Kreis scheint sich zu schließen - mit der bangen Frage: ‚Steht man wieder mal am Anfang?’
Diese Frage erübrigt sich. Denn in den bewährten Händen der Abteilungsleitung entstehen neue
Führungsqualitäten in sportlicher, so auch in geselliger Harmonie mit der Schützenbruderschaft.

 

         SSV Wappen bis 2014                                  Neues Wappen der Schießsportabteilung seit 2014

     Wappen des Sportschützenvereins                   Wappen der Schießsportabteilung neben dem der Bruderschaft

 

(Werner Blecking, im August 2014)

   
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